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Es werden Posts vom Februar, 2026 angezeigt.

Die Ungewohntheit der Nähe

Es gibt Verbindungen, die entstehen nicht aus Planung, sondern aus einem leisen Ineinanderfallen zweier Leben. Sie wachsen nicht, weil sie erlaubt sind, sondern weil sie möglich sind. Und manchmal sind gerade jene Begegnungen , die unter einem unausgesprochenen Vorbehalt stehen, von einer besonderen Intensität. Man weiß früh, daß sie nicht in eine ordentliche Zukunft passen. Man spricht es aus, beinahe nüchtern, fast vernünftig. „ Es geht nicht .“ Ein Satz wie ein Geländer, an dem man sich festhalten will. Und doch stehen zwei Menschen nebeneinander und vermögen sich nicht zu lösen. Zwischen Pflichtgefühl und Sehnsucht spannt sich ein unsichtbarer Faden. Niemand will jemand anderem das Leben beschweren. Niemand möchte Ursache eines fremden Schmerzes sein. Und dennoch trägt man eine Zeit in sich, die man um keinen Preis missen möchte. Gerade weil sie unerlaubt, unvernünftig oder unpassend erschien, war sie von einer Dichte, die selten ist. Man hätte es anders definieren kön...

Werden unsere Kinder zum ersten Mal dümmer als ihre Eltern?

Über fast zwei Jahrhunderte hinweg erzielten Kinder im Durchschnitt bessere kognitive Testergebnisse als ihre Eltern. Dieser kontinuierliche Anstieg standardisierter Messwerte wird als Flynn-Effekt bezeichnet. Bessere Ernährung, bessere Schulbildung und eine zunehmend komplexe Umwelt galten als Treiber dieser Entwicklung. Doch dieser Trend stagniert – in einigen Ländern kehrt er sich um. Mehrere groß angelegte Untersuchungen in Europa zeigen seit den 2000er-Jahren sinkende Testergebnisse. Eine norwegische Studie von Bratsberg & Rogeberg (2018) dokumentierte messbare Rückgänge von IQ-Werten bei jüngeren Jahrgängen – nicht genetisch bedingt, sondern umweltbedingt. Internationale Vergleichsstudien wie PISA der OECD belegen ebenfalls: Rückgänge bei Lesekompetenz Schwächere mathematische Leistungen Probleme beim Verständnis längerer Texte Sinkende Problemlösefähigkeit Das sind keine gefühlten Wahrheiten. Das sind Messwerte. Aufmerksamkeit ist trainierbar – und verlernbar ...

Produktivität wird gefordert – aber nicht verstanden

 Der Artikel „Schwächelnde Wirtschaft: Wie Arbeit produktiver werden soll“ in der Tagesschau ( https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/produktivitaet-forderungen-politik-100.html ) beschreibt die aktuelle wirtschaftspolitische Debatte korrekt: Produktivität ist der Output pro Arbeitsstunde und damit eine zentrale Voraussetzung für Wohlstand, steigende Löhne und stabile Steuereinnahmen. Der Text dient hier als Anlass , nicht als alleinige Grundlage. Die darin zitierten Positionen stehen exemplarisch für eine breiter geführte politische Diskussion über Arbeitszeit, Leistung und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland. Denn genau an diesem Punkt zeigt sich ein grundlegendes Problem der gesamten Debatte: Produktivität wird zwar richtig definiert – in der politischen Argumentation jedoch häufig mit Arbeitszeit verwechselt . Was folgt, ist keine Kritik an einem einzelnen Artikel, sondern eine grundsätzliche Betrachtung der aktuellen Arbeitszeit- und Produktivitätsdebatte. Meh...