Die Diskussion um eine verpflichtende Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ab dem ersten Krankheitstag wird derzeit intensiv geführt. Befürworter argumentieren, dass dadurch Missbrauch eingedämmt und der Krankenstand gesenkt werden könne. Doch bei genauer Betrachtung stellt sich eine andere Frage: Welches Problem wird damit eigentlich gelöst? Die bestehende Regelung wird oft übersehen Bereits heute verfügen Arbeitgeber über Möglichkeiten, auf auffällige Krankmeldungen zu reagieren. Die Forderung nach einer allgemeinen gesetzlichen Pflicht wirft deshalb die Frage auf, welchen zusätzlichen Nutzen eine weitere Verschärfung tatsächlich bringen würde. Der zusätzliche Aufwand trifft vor allem die Ehrlichen Wer morgens mit einem grippalen Infekt aufwacht, fühlt sich meist nicht in der Lage, längere Wege zurückzulegen oder stundenlang in einem Wartezimmer zu sitzen. Viele Menschen wissen aus eigener Erfahrung recht gut, wann sie sich eine gewöhnliche Erkältung eingefangen haben, wann ei...
Wenn der Kampf gegen Extremismus selbst extrem wird Antifaschismus ist ursprünglich kein radikaler Begriff, sondern eine demokratische Grundhaltung. Nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus entstand in Deutschland bewusst eine politische Ordnung, die autoritäre und totalitäre Systeme verhindern soll. Das Grundgesetz schützt Menschenwürde, Meinungsfreiheit, Gewaltenteilung und demokratische Mitbestimmung – alles Prinzipien, die dem historischen Faschismus entgegenstehen. In diesem Sinne kann man durchaus sagen: Jeder Demokrat sollte antifaschistisch sein. Doch genau an diesem Punkt beginnt heute ein gesellschaftliches Problem. Denn zwischen einem demokratischen Antifaschismus und ideologisiertem Aktivismus besteht ein erheblicher Unterschied – ein Unterschied, der in öffentlichen Debatten immer häufiger verloren geht. Die Inflation des Faschismusbegriffs Der Begriff „Faschismus“ hatte ursprünglich eine relativ konkrete politische Bedeutung. Er beschrieb autoritäre Systeme mit Führer...