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Die größte Gefahr für den Menschen ist der Mensch selbst

Eine kritische Zustandsbeschreibung – mit Blick auf die deutsche Politik

Der Mensch ist fähig zu Vernunft, Weitsicht und moralischem Handeln.
Die Menschheit hingegen zeigt davon im Kollektiv erschreckend wenig. Dieser Widerspruch ist kein philosophisches Konstrukt, sondern ein immer wieder beschriebenes und belegtes Muster.

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Sie zieht sich durch Jahrhunderte – formuliert von Denkern, Militärstrategen und Beobachtern menschlichen Verhaltens, die aus völlig unterschiedlichen Richtungen kamen und dennoch zum selben Schluss gelangten.

Thomas Hobbes beschrieb den Menschen als potenziellen Wolf für den Menschen – homo homini lupus. Der Satz selbst geht ursprünglich auf den römischen Dichter Plautus zurück, wurde jedoch erst durch Hobbes politisch und gesellschaftlich geprägt. Bei ihm ist die Formel keine literarische Zuspitzung, sondern eine nüchterne Machtanalyse: Ordnung entsteht nicht aus Moral, sondern aus der Begrenzung menschlicher Triebe.

Gustave Le Bon analysierte Massen nicht als Summe intelligenter Individuen, sondern als eigenes Wesen: emotional, leicht beeinflussbar, anfällig für einfache Erzählungen. Seine Thesen sind bis heute Grundlage politischer Kommunikation – nicht weil sie angenehm sind, sondern weil sie funktionieren.

Carl Gustav Jung warnte vor der kollektiven Besessenheit: dem Moment, in dem der Einzelne Verantwortung an die Gruppe abgibt und damit sein moralisches Urteilsvermögen verliert.

Hannah Arendt zeigte, dass das größte Unheil nicht durch Monster entsteht, sondern durch angepasste, unreflektierte Menschen, die aufhören zu denken und beginnen zu funktionieren.

Und selbst Napoleon Bonaparte, kein Philosoph, sondern Praktiker der Macht, erkannte: Nicht der äußere Feind ist die größte Gefahr, sondern die Inkompetenz und Selbsttäuschung der eigenen Reihen.

Diese Stimmen eint kein Weltbild, keine Ideologie, kein gemeinsames Ziel – nur eine gemeinsame Beobachtung:
Der Einzelne kann denken.
Das Kollektiv reagiert.

Genau dieses Verhalten lässt sich heute offen in der Politik beobachten, auch in Deutschland. Politik fungiert nicht mehr primär als Ort rationaler Problemlösung, sondern als Bühne für Narrative, Identitäten und moralische Selbstvergewisserung. Abweichende Meinungen werden nicht widerlegt, sondern etikettiert. Komplexität wird vereinfacht, Verantwortung verteilt, bis sie niemand mehr trägt.

Der Deutscher Bundestag ist dabei kein Sonderfall, sondern ein Spiegel gesellschaftlicher Dynamiken. Das System selektiert nicht die Klügsten, sondern die Anpassungsfähigsten. Nicht Wahrheit wird belohnt, sondern Anschlussfähigkeit.

Diese Kritik richtet sich nicht gegen einzelne Politiker und nicht gegen einzelne Menschen. Sie richtet sich gegen ein kollektives Verhalten, das immer wieder dieselben Fehler produziert – unabhängig von Zeit, Ort oder politischem Lager.

Wer das als Verachtung missversteht, verwechselt Analyse mit Emotion.
Es geht nicht um moralische Überlegenheit, sondern um eine nüchterne Feststellung:

"Die Menschheit ist geistig noch nicht dort angekommen,
wo ihre Macht sie bereits hingeführt hat."

Solange sich daran nichts ändert, bleibt der Mensch für den Menschen die größte Gefahr.
Nicht aus Bosheit – sondern aus Gedankenlosigkeit.

Und genau das macht diese Gefahr so beständig.

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